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Anfrage an die Mitglieder des Deutschen Bundestages

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Anfrage an Bundestagsabgeordnete vom 8.9.2001

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie werden mit Anfragen zu vielerlei Themen überschwemmt.

Wir fassen uns deshalb kurz:

Vielleicht nehmen Sie sich einmal die Gebührentabellen zur BRAGO der letzten Zeit---die Gebühren wurden geändert in 1975 ,1981 ,1987 und 1994---zur
Hand und vergleichen einmal eine Gebühr aus irgendeinem Gegenstandswert
anwaltlicher Tätigkeit des Jahres 1975 einer entsprechenden Gebühr
mit aus dem Jahre 2001 und vergleichen die Steigerungsraten mit der allgemeinen Preisentwicklung seit 26 Jahren.
Sie werden sehen, daß auch unter Berücksichtung naturgemäß mit der allgemeinen Preissteigerung sich erhöhender Gegenstandswerte eine
Der allgemeinen Preisentwicklung angepaßte Erhöhung der Gebühren nicht einmal ansatzweise festgestellt werden kann.

Auf unserer Internetpräsenz finden Sie eine Kalkulation eines beispielhaften Rechtsstreites zu einem Streitwert
von DM 10.000.- Wie Sie dort sehen war die Führung eines solchen Prozesses was die Anwaltsgebühren angeht vor über einem Vierteljahrhundert nur ca. 25% günstiger als heute.
Vergleichen Sie diesen Vorgang einmal beispielsweise mit der Entwicklung der Wohnraummieten in diesem Zeitraum oder mit den Energiepreisen.

Die Gebührentabelle zur BRAGO scheint ein vergessenes Regelwerk zu sein und Sie als Volksvertreter sind mitverantwortlich dafür, daß die Bürger dieses Landes
qualifizierte Dienstleistungen zu gesetzlichen Gebührenraten immer seltener erhalten können.Nur noch “Küchenkanzleien” können auf der Grundlage der BRAGO auf eine Art und Weise betrieben werden, die den Lebensunterhalt der Betreiber sicher stellt. Diese Kanzleien bieten indessen weder personell,

(wie hoch war etwa der Kostenaufwand für das Gehalt einer(s) Rechtsanwaltsfachangestellten im Jahre 1981 im Vergleich zu heute?)

noch sachlich die notwendigen Voraussetzungen für eine ordentliche Vertretung des rechtsuchenden Publikums.

“Besser gestellte Mandanten” wissen das und vereinbaren die Honorare mit ihren Bevollmächtigten, die “anderen” werden nach und nach zur “Klientel zweiter Klasse” aufgrund der politischen Unterlassungssünden mittels derer
dem Publikum noch plausibel gemacht wird, man bewahre es vor ungerechtfertigten Forderungen “besserversorgter” Freiberufler, die man in die Solidarität mit Benachteiligten des Arbeitsmarktes zwinge und die eben die Folgen der Wiedervereinigung durch Gebührenverzicht mittragen müßten.
Dies waren bekanntlich die Begründungen für die unterdimensionierten Anpassungen mindestens seit Beginn der achtziger Jahre.

Der Bevölkerung wurde so ein Bärendienst erwiesen, weil folgerichtig die Qualität
Vieler Kanzleien und deren Leistungen nach und nach geringer wurden.

Da jetzt eine vernünftige Rückkehr zu für alle Beteiligten sinnvollen Gebührensätzen nicht mehr möglich sein dürfte-man stelle sich einmal die politischen Auswirkung einer mittleren Erhöhung um 50% vor---schlagen wir vor die BRAGO abzuschaffen. Sie scheint ohnehin europarechtswidrig zu sein

Vielleicht denken Sie bei dieser Gelegenheit auch einmal darüber nach ,daß weitere unsinnige Regulierungen wie etwa das quota litis Verbot “zum Schutze der Bevölkerung” dazu geführt hat, daß finanziell hochpotente
angloamerikanische Kanzleien nahezu alle deutschen Großkanzleien aufkaufen konnten, mit den allseits bekannten Folgen.

Vielen Dank dafür, daß Sie sich etwas Zeit zum Lesen und Nachdenken genommen haben.

Mit freundlichen Grüßen

Makris Rechtsanwälte
Ion Makris & Andras Reök
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