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Unfall - was tun?

Ihre Rechte als Geschädigter nach einem unverschuldeten Unfall
Haftpflichtschaden:

Nach unserer Erfahrung treten Probleme unterschiedlichster Art bei der Abwicklung von unverschuldeten Verkehrsunfällen für den jeweilig Geschädigten auf.

Oftmals weiß der Geschädigte nicht, welche konkreten Ansprüche er gegen den Schädiger bzw. gegen dessen Haftpflichtversicherung im einzelnen geltend machen kann. Manche Versicherer nutzen dies zu ihren Gunsten aus, indem sie den Geschädigten naturgemäß nicht über seine Ansprüche aufklären und somit von Einzelfall zu Einzelfall eine Menge Geld einsparen.

Uns sind leider Fälle bekannt, in denen Geschädigte, die ihre Ansprüche selber gegen die jeweilige Versicherung durchsetzen wollten, von dem Versicherer hinsichtlich des konkreten Umfangs Ihrer Ansprüche falsch informiert worden sind.

Die Motive der Versicherer liegen hierbei auf der Hand, da kaum ein Geschädigter seine Rechte im einzelnen weiß und darüber hinaus die Versicherung auch gerne das Anwaltshonorar des durch den Geschädigten beauftragten Anwalts spart.

Wir wollen Ihnen daher einen kurzen Überblick über Ihre Rechte bei einem unverschuldeten Unfall geben:

Einleitend ist es wichtig zu wissen, daß die Abrechnung eines Haftpflichtschadensfalles nach dem Grundsatz: "Es soll alles so werden, wie vorher" läuft. Der Geschädigte hat gegen den Unfallverursacher, den Fahrzeughalter und dessen Haftpflichtversicherung Anspruch auf Ersatz des gesamten, ihm durch den Unfall entstandenen Schadens.

Im einzelnen:

1. Fahrzeugschaden
Sie haben Anspruch darauf, ihr Unfallfahrzeug in einer von Ihnen ausgewählten Werkstatt Ihres Vertrauens reparieren zu lassen. Dieser Anspruch umfaßt alle Kosten, die zur Beseitigung der Unfallschäden an Ihrem Fahrzeug notwendig sind.

2. Schadenfeststellung durch einen Gutachter
Als Geschädigter steht es Ihnen grundsätzlich frei, einen Sachverständigen Ihrer Wahl zur Beweissicherung und zur Feststellung von Schadenumfang, Schadenhöhe, Wertminderung, Restwert, Wiederbeschaffungswert und voraussichtliche Reparaturdauer zu beauftragen. Diese Kosten hat die Versicherung des Schädigers grundsätzlich zu übernehmen. Eine Ausnahme bildet lediglich ein sogenannter Bagatellschaden (Schadenhöhe beläuft sich ca. auf DM 1.000,00 - DM 1.500,00). Hierbei reicht in der Regel als Schadennachweis eine Reparaturkalkulation Ihrer Werkstatt. Die Inanspruchnahme eines Gutachters bei einem Bagatellschaden hat zur Folge, daß die Versicherung die Gutachterkosten grundsätzlich nicht übernehmen wird.

Wichtig hierbei ist zu wissen, daß das Gutachten auch Grundlage bei Ihrer Abrechnung mit der Versicherung sein kann, wenn Sie beispielsweise Ihr Kraftfahrzeug nicht reparieren lassen wollen, sondern ggf. mit dem von der Versicherung ausgezahlten Geld ein anderes Fahrzeug erwerben wollen.

3. Wertminderung Ihres Fahrzeuges
Ihr Fahrzeug kann durch die Beteiligung an einem Unfall auch nach einer sach- und fachgerechten Reparatur als minderwertig gelten, wenn bei einem späteren Verkauf die Unfalleigenschaft des Fahrzeuges wertmindernd zu berücksichtigen ist. Auch dieser Posten kann von Ihnen als Geschädigter geltend gemacht werden.

4. Totalschadenfall
Übersteigen die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert, so kann der Geschädigte sein Fahrzeug gleichwohl in einer Werkstatt reparieren lassen, wenn die voraussichtlichen Reparaturkosten gemäß Sachverständigengutachten den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges nicht um mehr als 30 % übersteigen und der Geschädigte das Fahrzeug weiter nutzen will.

Falls der Geschädigte sein Fahrzeug im Totalschadenfall nicht reparieren lassen will, so hat er Anspruch auf Ersatz des Wiederbeschaffungswertes abzüglich des Restwertes des Fahrzeuges. Der Geschädigte darf sodann sein Fahrzeug zu dem Restwert z. B. an einen Aufkäufer zu dem Wert, welcher im Sachverständigengutachten ermittelt worden ist, veräußern. Der Ansatz des Restwerts führt oftmals zu Streitigkeiten mit dem jeweiligen Versicherer, denn dieser versucht sehr häufig, den Restwert durch Einholung überholter Restwertangebote von Autoaufkäufern zu erhöhen.

Bei Kraftfahrzeugen, die noch nicht einen Monat alt sind und noch eine Laufleistung von unter 1.000 km aufweisen, hat der Geschädigte Anspruch auf Ersatz des Neupreises unter Abzug des Restwertes.

5. Inanspruchnahme eines Mietwagens oder Nutzungsausfallentschädigung
Für die Dauer des schadenbedingten Fahrzeugausfalls hat der Geschädigte grundsätzlich das Recht, einen Mietwagen anzumieten. Dies gilt sowohl für die Reparaturdauer des Fahrzeuges wie auch bis zur Wiederbeschaffung eines Ersatzfahrzeuges im Fall eines Totalschadens.

Hierbei ist allerdings zu beachten, daß der Geschädigte nur das Recht hat, einen vergleichbaren Pkw anzumieten, wobei es durchaus ratsam ist, einen Mietwagen eine Kategorie unterhalb des eigenen Fahrzeuge anzumieten, damit die Versicherung keine Abzüge vornimmt. Darüber hinaus ist der Geschädigte verpflichtet, insbesondere bei längerer Mietdauer Preisvergleiche anzustellen, um den Schaden möglichst gering zu halten. In der Praxis wird regelmäßig zudem ein Abzug von etwa 10 % wegen der Ersparnis eigener Aufwendungen vorgenommen.

Falls der Geschädigte keinen Mietwagen anmieten möchte, so hat er das Recht, für die Dauer des schadenbedingten Fahrzeugausfalls alternativ Nutzungsausfallentschädigung geltend zu machen. Die Höhe eines Tagessatzes hängt naturgemäß vom Fahrzeugtyp ab.

6. Rechtsanwaltskosten
Der Geschädigte kann zur Durchsetzung seiner Ansprüche einen Anwalt seines Vertrauens beauftragen. Die Kosten hierfür hat die Versicherung des Schädigers grundsätzlich zu übernehmen.

7. Sonstige Kosten
Hierunter fallen neben den Abschleppkosten auch die An- und Abmeldekosten sowie etwaiges Standgeld, welches der Geschädigte notwendigerweise in der Praxis oftmals an Abschleppunternehmen zu zahlen hat.

Desweiteren kann der Geschädigte ggf. den Ersatz von Finanzierungskosten und Verzugszinsen verlangen, wenn er die Reparaturrechnung nicht aus vorhandenen Bargeldbeständen vorfinanzieren kann und die Werkstatt bereits bei Übernahme des Fahrzeuges auf Bezahlung der Rechnung besteht. Unter bestimmten Voraussetzungen kann dann der Geschädigte die mit der Aufnahme eines Kredits verbundenen Kosten ersetzt verlangen. Das Gleiche gilt hinsichtlich des Ersatzes von Verzugszinsen.

Darüberhinaus hat der Geschädigte Anspruch auf die Zahlung einer sogenannten Unfallkostenpauschale. Diese beläuft sich zur Zeit auf DM 40,00.

8. Personenschäden
Ist bei dem Unfall eine Person verletzt worden, so kann diese die nachstehend aufgeführten Ansprüche für sich geltend machen:

a.) Heilungskosten
Der Geschädigte kann Ersatz aller Kosten verlangen, die durch das Schadensereignis ausgelöst worden sind. Dies gilt für Arztkosten ebenso wie für Krankenhauskosten, darüber hinaus auch für etwaige Rehabilitationsmaßnahmen. Die hinter dem Schädiger stehende Haftpflichtversicherung ist in der Regel aber nur dann eintrittspflichtig, wenn die Krankenkasse des Geschädigten nicht ihrerseits die Leistungen erbringt.

b.) Geldrente/Kapitalabfindung
Wird der Geschädigte wegen einer Verletzung seines Körpers oder seiner Gesundheit erwerbsunfähig oder es tritt eine Minderung der Erwerbsfähigkeit ein, dann hat der Schädiger bzw. dessen Versicherer durch die Entrichtung einer Geldrente oder durch eine Abfindung in Kapital Ersatz zu leisten.

c.) Schmerzensgeld
Das Schmerzensgeld hat eine Ausgleichs- und Genugtuungsfunktion. D. h., der Geschädigte erhält für die erlittenen Schmerzen eine Abfindung in Geld.

Die Höhe des Schmerzensgeldes richtet sich unter anderem nach der Schwere der Verletzung, der Dauer der Arbeitsunfähigkeit, der Dauer der stationären Behandlung sowie den etwaig zu erwartenden Folgeschäden.

d.) Todesfall
Bei Tötung haben die Hinterbliebenen gegen den Schädiger bzw. dessen Versicherer Anspruch auf Unterhalt, falls der Getötete gesetzlich zum Unterhalt z. B. als Ehemann, Vater etc. verpflichtet war.

Darüberhinaus sind selbstverständlich die Kosten für ein angemessenes Begräbnis seitens des Versicherers zu ersetzen.

9. Haushaltsführung
Wird die einem Ehegatten oder einem Elternteil als Unterhaltsbeitrag obliegende Hausarbeit infolge einer Verletzung unmöglich, so hat der Geschädigte einen Schadensersatzanspruch in Höhe der Kosten einer entsprechenden Ersatzkraft. Dies gilt sogar dann, wenn eine entsprechende Ersatzkraft nicht angestellt war oder der Ehegatte neben seiner Hausarbeit noch einer Berufstätigkeit nachgeht.

Der Anspruch auf Ersatz der Kosten einer Ersatzkraft besteht nach der noch herrschenden Auffassung allerdings nicht bei einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft.

Bitte beachten Sie, daß die vorstehende Aufzählung nur einen groben Überblick über die Ansprüche des Geschädigten bzw. seiner Hinterbliebenen geben kann. Die Aufzählung nimmt für sich nicht in Anspruch, vollständig zu sein.

Bei etwaigen Rückfragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung

Rechtsanwalt András Reök

Düsseldorf, im April 2001


     

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